Empfindliche Zähne? So lassen sie sich beruhigen

Ob durch das Einatmen kalter Luft, den Genuss von heißen oder kalten Getränken oder süßen und sauren Speisen – wer empfindliche Zähne hat, bekommt es tagtäglich zu spüren. Nach Schätzungen ist jeder siebte Erwachsene betroffen. „Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass heutzutage immer mehr Menschen ihre Zähne auch noch im höheren Lebensalter besitzen“, erklärt Oberarzt Dr. Uwe Blunck vom Zentrum für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie an der Berliner Charité die zunehmende Tendenz. „Durch ganz normale Alterserscheinungen kommt es zu einem Rückgang des Zahnfleisches. Dementsprechend gibt es weniger abgedeckte Dentinbereiche. Dieser Vorgang kann beim Zähneputzen durch falsche Schrubb- oder Scheuerbewegungen mit hohem Anpressdruck noch verstärkt werden.“

Normalerweise ist das Zahnbein (Dentin) von einer schützenden Schmelzhülle oder dem Zahnfleisch (Gingiva) umgeben. Es enthält Millionen kleinster Röhrchen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Liegen diese Kanälchen frei, besteht ein direkter Kontakt zu den Zahnnerven (Pulpa). Äußere Reize wie kalte Luft führen dazu, dass sich die Flüssigkeit bewegt, was als schmerzhaft empfunden wird. Wichtig ist daher, die offenen Kanälchen wieder zu verschließen. Mittlerweile gibt es hierfür mehrere Möglichkeiten:

  • Zahnpasten: Mit Spezialzahnpasten für empfindliche Zähne können freiliegende Zahnhälse besonders schonend gereinigt werden, da sie weniger abtragend (abrasiv) wirken als normale Produkte. Bei Anwendung der Pasten kommt es zu Ausfällungen von Salzen in den Kanälchen, sodass die schmerzhaften Reize nicht weitergeleitet werden können. Nachteil: Zahncremes bieten keinen Langzeitschutz und wirken in der Regel nur im Anfangsstadium.
  • Fluoridlösungen und -gelees: Sie eignen sich gut als Ergänzung zu den Spezialzahnpasten. Hochdosierte Gelees bewirken eine Fluoridanreicherung des Dentins und machen die Zähne so unempfindlicher gegenüber äußeren Reizen. Fluorid-haltige Mundspüllösungen fördern eine intakte Mundflora und beugen so Entzündungen und Zahnfleischrückgang vor. Die Produkte bekommen Sie rezeptfrei in jeder Apotheke. Auch der Zahnarzt kann spezielle Fluoridlösungen auftragen.
  • Dentinhaftmittel: Insbesondere für stärkere Beschwerden stehen so genannte Dentinhaftmittel zur Verfügung. Hierzu wird eine Lösung direkt auf die betroffenen Zahnhalsbereiche aufgestrichen. Diese dringt in die Zahnsubstanz ein, bildet dort eine Art Pfropfen, der die offenen Dentinkanälchen verschließt. Dadurch wird auch langfristig eine Reizweiterleitung verhindert. Wichtig zu wissen. Für den Patienten ist die Behandlung vollkommen schmerzlos. Wermutstropfen: Da es sich um keine Vertragsleistung handelt, müssen die Kosten dafür selbst getragen werden.     

Tipps:

  • Beim Zähneputzen kleine kreisende, rüttelnde Bewegungen ausführen (Technik beim Zahnarzt zeigen lassen). Wichtig: Der Anpressdruck sollte max. 200 g betragen (mit einer Brief- oder Küchenwaage testen).
  • Gesunde saure Nahrungsmittel wie Obst und Obstsäfte nicht über viele kleine Mahlzeiten verteilen, sondern lieber in größeren Mengen einnehmen. Nach dem Verzehr von Saurem mind. 1 Stunde mit dem Zähneputzen warten. Alternative: Hinterher mit Wasser oder Milch spülen. Oder: zuckerfreien Kaugummi kauen (regt die Speichelbildung an).
  • Auch durch Bleaching-Verfahren können die freiliegenden Zahnhälse vorübergehend empfindlich reagieren. Wer sensible Zahnhälse hat, sollte sich vor der Behandlung vom Zahnarzt beraten lassen.