Mit Baldrian Ängste lindern

Die in der Pflanze enthaltene Valerensäure soll als Basis für besser verträgliche Medikamente mit weniger Nebenwirkungen dienen

Angststörungen können möglicherweise schon bald auf sanftere Art behandelt werden: Ein Forscherteam der Universität Wien hat entdeckt, dass die in Baldrian enthaltene Valerensäure einen bestimmten Typ von so genannten GABA(A)-Rezeptoren auf Nervenzellen stimuliert. Dadurch wird die Erregbarkeit von Nervenzellen gehemmt. Weitere Untersuchungen ergaben, dass Valerensäure angstlösende und schlaffördernde Wirkungen hat. Ziel der Forscher ist es nun, auf der Basis des Naturstoffs Medikamente gegen Angststörungen zu entwickeln, die besser verträglich sind und weniger Nebenwirkungen haben als herkömmliche Medikamente.

Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Erregung sind typische Symp-tome von Angststörungen. Dagegen werden meist Antidepressiva oder Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine eingesetzt. Das Problem dabei: Die Mittel haben zahlreiche Nebenwirkungen und können innerhalb von Wochen zur Abhängigkeit führen. Bei den neuartigen Medikamenten soll diese Gefahr nicht bestehen: So vermuten die Chemiker und Pharmakologen um Steffen Hering, dass die aus Baldrian gewonnene Valerensäure nur auf bestimmte Subtypen von GABA(A)-Rezeptoren wirkt. Dadurch werden nur ganz bestimmte Hirnareale stimuliert. Somit könnte das Risiko von Nebenwirkungen und das Abhängigkeitspotential vermindert werden.

Effektiv sollen die neuen Medikamente trotzdem sein. Es zeigte sich bereits, dass einige der aus der Valerensäure abgeleiteten Substanzen deutlich stärker wirksam sind als der Naturstoff selbst. (British Journal of Pharmacology)